Oder wie man besser keine Verstärker restauriert
Mein Bruder hatte vor einiger Zeit auf dem Flohmarkt einen alten KROHA-Verstärker erstanden. Der Verkäufer hatte beschworen, dass die Kiste etwas brumme, aber ansonsten tadellos liefe.
Durch einige Erfahrungen mit ebay-Schnäppchen vorsichtig geworden, schloss mein Bruder erst einmal eine billige Box an, die beim Einschalten des KROHA auch prompt mit lautem Brummen innerhalb einer Sekunde in Rauch aufging...
Also wurde ich zur Fehlersuche verpflichtet.

Klassisches Holzgehäuse im 60er Jahre Look
Kondensatoren so groß wie Coladosen, ein Schnittbandkerntrafo (wenn auch knapp dimensioniert), diskrete TO3-Transistoren (die den Alurahmen des Verstärkers als Kühlkörper nutzen) und eine diskrete Vorstufe mit vielen Styroflex-Kondensatoren: Der KROHA würde sich hervorragend in einer High End Zeitschrift darstellen. Die Endstufenschaltung und Überstromsicherung entspricht übrigens in etwa der heute immer noch erhältlichen BLACK DEVIL...
Gut, Klangregler und Pertinaxplatinen kommen nicht so gut und dass der Herr vom Flohmarkt eine Vorliebe für gelbes Isolierband hatte stört etwas den wertigen Eindruck. Aber DIN Buchsen haben noble Engländer noch heute!

Zum Netzschalter oben links geht es gut isoliert,
den Weg zurück per dünnem Klingeldraht...

Massive Schalter mit vielen Wahlmöglichkeiten
Strenggenommen nicht. Aber der KROHA sieht nicht schlecht aus und ist ein Zeuge dafür, dass 1966 schon brauchbare Transistorverstärker auf dem Markt waren. Die Vorstufe bietet Wahlmöglichkeiten, die es heute kaum noch gibt (linken Kanal auf beide Ausgänge, Kristallabnehmer, einen echten! Studiopegeleingang, Mikrofoneingänge) und für die Wiedergabe alter Monoaufnahmen ist der Verstärker gut geeignet. Er rauscht mehr als heute üblich, klingt nicht neutral -eher wuchtig- und die Loudness wirkt drastisch. Wenn ich jedoch ganz ehrlich sein soll, klingt das bei niedriger Lautstärke über kleine Boxen sogar besser als "echtes" High End!
Falls mein Bruder beim nächsten Flohmarktbesuch dem freundlichen Lötmeister nochmal begegnet, muss der wohl trotzdem etwas früher Feierabend machen...
© Text: Achim Eschhold 10/2005
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