Horrorladen

Oder wie man besser keine Verstärker restauriert

Mein Bruder hatte vor einiger Zeit auf dem Flohmarkt einen alten KROHA-Verstärker erstanden. Der Verkäufer hatte beschworen, dass die Kiste etwas brumme, aber ansonsten tadellos liefe.
Durch einige Erfahrungen mit ebay-Schnäppchen vorsichtig geworden, schloss mein Bruder erst einmal eine billige Box an, die beim Einschalten des KROHA auch prompt mit lautem Brummen innerhalb einer Sekunde in Rauch aufging... Also wurde ich zur Fehlersuche verpflichtet.


Klassisches Holzgehäuse im 60er Jahre Look


High End Aufbau

Kondensatoren so groß wie Coladosen, ein Schnittbandkerntrafo (wenn auch knapp dimensioniert), diskrete TO3-Transistoren (die den Alurahmen des Verstärkers als Kühlkörper nutzen) und eine diskrete Vorstufe mit vielen Styroflex-Kondensatoren: Der KROHA würde sich hervorragend in einer High End Zeitschrift darstellen. Die Endstufenschaltung und Überstromsicherung entspricht übrigens in etwa der heute immer noch erhältlichen BLACK DEVIL...
Gut, Klangregler und Pertinaxplatinen kommen nicht so gut und dass der Herr vom Flohmarkt eine Vorliebe für gelbes Isolierband hatte stört etwas den wertigen Eindruck. Aber DIN Buchsen haben noble Engländer noch heute!


Zum Netzschalter oben links geht es gut isoliert,
den Weg zurück per dünnem Klingeldraht...

Für den Lautsprechertod waren 60 Volt an einer Lautsprecherbuchse verantwortlich. Hier hätte das sonst so gern benutzte gelbe Klebeband dafür sorgen können, die Drähte von Verstärker-und Trafoausgang auseinander zu halten.
Glücklicherweise hat der Kroha Kunststoffdrehknöpfe. Je nach Steckerpolung lagen nämlich nach dem Einschalten 230 V auf dem Chassis. Irgendwie war die Isolierung des Klingeldrahtes mit dieser Spannung wohl überfordert, besonders in den Durchbrüchen im Aluchassis. Aber auch im Originalzustand hätten VDE-Prüfer wohl wenig Freude an diesem Verstärker gehabt.
Wie man unten sieht, hat sich der Meister des gelben Bandes an der Endstufenplatine so richtig ausgetobt. Die Leiterplatte hat er jedenfalls unrettbar verbrutzelt und ob die Drähte auch alle wieder da gelandet sind, wo es der Erbauer vorgesehen hatte? Aber immerhin: Solid Core Verdrahtung!!


Massive Schalter mit vielen Wahlmöglichkeiten

An der Endstufe war alle ärztliche Kunst vergebens. Wenigstens die Vorstufe ließ sich noch retten. Einfach weg mit allen überflüssigen Teilen, einige Elkos erneuert und ein externes Netzteil dran: Läuft. Zwar knirschen die Regler etwas, mit Kontaktspray (also auch Pfuscharbeit...) aber aushaltbar. Und die wuchtigen Schalter knallen etwas beim Umschalten.


Wars die Arbeit wert?

Strenggenommen nicht. Aber der KROHA sieht nicht schlecht aus und ist ein Zeuge dafür, dass 1966 schon brauchbare Transistorverstärker auf dem Markt waren. Die Vorstufe bietet Wahlmöglichkeiten, die es heute kaum noch gibt (linken Kanal auf beide Ausgänge, Kristallabnehmer, einen echten! Studiopegeleingang, Mikrofoneingänge) und für die Wiedergabe alter Monoaufnahmen ist der Verstärker gut geeignet. Er rauscht mehr als heute üblich, klingt nicht neutral -eher wuchtig- und die Loudness wirkt drastisch. Wenn ich jedoch ganz ehrlich sein soll, klingt das bei niedriger Lautstärke über kleine Boxen sogar besser als "echtes" High End!
Falls mein Bruder beim nächsten Flohmarktbesuch dem freundlichen Lötmeister nochmal begegnet, muss der wohl trotzdem etwas früher Feierabend machen...



© Text: Achim Eschhold 10/2005

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